Reisetagebuch Orléans 2005
21.-23. Oktober

 

Tag.1

 

 

Die Fahrt

 

Wir sind gerade in Orléans angekommen und Wir, bedeuten ich und mein Vater.
Und ich bin gerade dabei die Erinnerungen an die Fahrt zu verdrängen.
Körperlich geht’s mir richtig mies, wir sind über 14 Stunden mit dem Auto gefahren, ich habe mich aus Bequemlichkeit nicht mal in den Pausen ausgetreten.
Diese Pausen weiß ich aus Erfahrung immer erst im Nachhinein zu schätzen…
Ich wundere mich dass ich noch stehen kann, ich habe kaum gegessen und wenn, dann schlecht, kaum getrunken, und wenn, dann schlecht.
ich bin einfach zu aufgeregt, als dass ich auch nur einen Bissen runterkriegen würde.
Mein Magen dreht sich und mittlerweile macht sich ein Schwindel breit.

 

Unter dem bewölktem Himmel in (mittlerweile) Belgien, denke ich mir, dass der Himmel doch überall der Selbe ist. Das Selbe Grau oder das Selbe Blau. Und das Selbe nächtliche Schwarz. Wobei das Gleiche und Das Selbe ja nicht das Selbe sind.

 

Nur als wir dann endlich in Frankreich eintreffen, erscheint mir der Himmel wie blaues Gold.

 

Kaum sind wir über der Grenze hol ich ganz hysterisch meinen Fotoapparat heraus und ich sitze in diesem stinkenden Blechhaufen wie ein Wachhund, nur um schnell genug das Knöpfchen zu drücken, sollte irgendwo irgendwas von Jeanne d’Arc in Erscheinung treten.
Das fällt mir auch ziemlich schwer, denn mir ist übel und meine Knochen schmerzen von langem unbequemen Sitzen. Und schließlich ist es dann doch die Übelkeit die mich wieder zusammensacken lässt, aber ich habe nichts verpasst.
Und wäre dort etwas gewesen, wären wir mitten auf der Autobahn stehen geblieben um ein Foto zu machen! J

 

Mittlerweile sind wir in Paris, das liegt auf unserer Strecke nach Orléans, aber irgendwie kommen wir aus diesem Kreisel nicht raus. Erst 3-4 depressive Passanten später haben wir durch ZUFALL wieder zurück auf die Autobahn gefunden.

 

Ich werde schon ungeduldiger, denn wir sind jetzt schon bei Nord-Orléans angekommen, und der Film der Kamera ist immer noch Jungfräulich.
Ich weiß wirklich nicht wie wir zu stumpfsinnig sein konnten, aber wir sind tatsächlich immer nur im Kreis um ein und denselben Block gefahren, obwohl hundert andere noch möglich gewesen wären. Wie auch immer, die richtige Straße fanden wir trotzdem noch. Gerettet hat uns ein Lineal großes Schild, das uns dann doch noch auf die richtige Straße brachte.
Ziemlich erbärmlich, es ist bereits 14:00 Uhr und ich Knaller lebte in der Hoffnung noch vor 10:00 anzukommen um im Morgengrauen mir ganz französisch ein Croissant reinzuziehen.

 

Irgendwann IN Orléans findet wir natürlich das Hotel nicht (bei dem sich später herausstellte, dass es nur 3 Straßen neben uns war). Ein überaus netter alter Herr, musste uns in einem „noch mal-für-dumme-Style“ aufzeichnen, wie wir fahren müssen.

 

Die Ankunft

 

Hotel gefunden, und sofort mal 20 Postkarten mit Jeanne d’Arc ausgestattet. (Muss ich erwähnen dass ich auf der Suche nach dem bescheidenen Hotel ganz wundervolle Jeanne-figuren und Wandkunstwerke gefunden habe?! Unglaublich!)

 

 

Auf den Spuren der Jeanne d’Arc

 

Ganz Fix noch das Hotelzimmer eingerichtet und auch nur 10 Minuten später ab in die Innenstadt, es gibt viel zutun!
Das erste was uns entgegenkommt ist eine kleine Kirche, ich weiß gerade den Namen nicht, aber wir gehen rein, und schon aus 30m Entfernung erkenne ich ganz weit hinten Jeanne d’Arc. Eine steinerne Jeanne d’Arc auf einem hohen Podest.
Stolz, Edel, Entschlossen, einfach wunderschön!!!

 

 

Ich bin total verzaubert und ich hab Schwierigkeiten meinen Mund zusammenzukriegen.

Es war wie ein Traum, ich kannte diese Figur zuvor nur von Bildern, und in meinem Herzen machte sich eine unsagbare Wärme breit, unter Jeannes langem Banner fühlte ich mich furchtbar geborgen.
Da war sie, mein Mädchen, dessen Bild ich seit meiner Kindheit mit mir trage.
Und ich sehe sie einfach nur an und … ich bin Zuhause J

Ca. 1 Meter ist sie groß, nur ein ganz kleiner Strauß Blumen und eine einzelne Kerze stehen unter ihr auf dem Altar.
Im ersten Moment frag ich mich neben den ganzen ‚merci’-Tafeln stehend „warum so wenig?!“. Aber wohl wird sie mit Blumensträußen überhäuft wenn sie im Mai gefeiert wird.

 

Aber ich werde diese Lehre bald ändern. Wir gehen durch die Gassen, laufen jedes , wirklich JEDES Geschäft ab, um jedes einzelne Souvenir, Accessoire oder auch nur Postkarte mitzunehmen. Ich kann mir das, was Jeanne angeht, erlauben. Mir stehen die nächsten Tage mehrere hundert Euro zur Verfügung, da kann ich mich ruhig unverschämt zukaufen, mit dem Ziel, das mein Zimmer noch mehr zum Museum wird. Ich habe ja schon die eine oder andere Rarität zuhause, warum dann nicht Kleinkram!? So fühl ich mich immer noch am wohlsten, und im Moment, bin ich Buchstäblich auf Wolke 7 !!!

 

Alle meine ewigen ‚Seelenqualen’ sollten für diesen einzelnen Tag vergessen sein, und ich fühle mich Jeanne näher als als je zuvor. DA war sie ja schon immer, aber diesmal war es, als lachte sie und mein Herz lachte laut mit.

Durch eine Gasse nähern wir uns dem Zentrum, die große Place du Martroi mit der grünpatinierten Reiterstatue der hl. Johanna aus dem 19.Jahrundert. Das wird sicher jeder kennen, das berühmte Jeanne d’Arc Denkmal im Herzen der Stadt.
In einer Straße die direkt auf das Zentrum zuläuft, sehe ich sie schon von weitem, und irgendwo zwischen Herzinfakt und Heulkrampf (so geht es mir jedes mal aufs neue, selbst wenn ich nur 10 Minuten in einer anderen Straße bin und dann wiederkomme…) denke ich „Du bist so wunderschön, Jehanne…“

 

 

Bis ich davor stehe und ich nicht ausdrücken WIE SCHÖN sie ist, ich kann meinem Blick nicht abwenden. So eine Stolz-ausstrahlende Erscheinung, errichtet in ihrem ganzem Temperament. So unendlich schön.
Es wundert mich, dass ich die einzige bin die schreiend, zitternd und hysterisch vor der Figur rumtanzt. Für die Menschen die dort wohnen, scheint es das normalste der Welt zu sein, während sie kopfschüttelnd und belächelnd meine Schweißausbrüche beobachten ;)

 

 

Als mein Vater es irgendwann schaffte, mich ein paar Meter von dem Denkmal wegzulocken, und wir ein paar Straßen weiter in der Rue Jeanne d’Arc ankamen (das hört sich sicher furchtbar interessant an, ist aber auf dem ersten Blick nichts weiter als eine Straße mit zu vielen Fressbuden. Es steckt aber natürlich mehr dahinter ;] !!!) Fällt uns eine Kathedrale ins Auge. Die Kathedrale Sainte-Croix.

 


Dem Anblick wollte ich so festhalten wie er mir ins Auge fiel, und bei dem Foto hier wird sicher auffallen wie ich mitten auf der Straße mein Leben riskierte oder!? Ja! Ich stand mitten auf der Kreuzung zwischen hupenden Autos die mich auf französisch beschimpften! ;D

 

 

IN der Kathedrale war doch tatsächlich eine Art Kiosk, hat man so was schon mal gesehen?!
Nagut, so außergewöhnlich ist es nicht, es ist ein kleiner Stand mit Souvenirs, der mich wohl für immer in Erinnerung behalten wird. Denn dort kauf ich für über 100 ¤ erstmal ein, Figuren, ketten, Postkarten, Anhänger, Kerzen und Miniaturen, eigentlich so gut wie Alles was da rumstand, und an diesem Tag, wird wohl niemand mehr dort etwas von Jeanne d’Arc kaufen können. Der alte Mann, der mit meinen ganzen „Das und Das und Das dahinten was so komisch leuchtet auch noch“ nicht mehr ganz mitkam, rümpfte mehrfach die Nase und war von mir so erstaunt, dass er mir fuchsig lächelnd (er hat an diesem Tag immerhin mächtig was verkauft) eine Engelskarte mit Maria abgebildet schenkt und mir noch lange, lange Kopfschüttelnd hinterher sieht *lach*.

 

 

Ich weiß nicht, was ich für Jeanne bin, jedoch für mich, ist sie Alles!
Ein Lebenssinn. Ich hoffte nichts mehr sie fühlte und wüsste das. Wer weiß, vielleicht bedeute ich ihr mehr als ich je zu Glauben vermag?! Jedenfalls fühlt es sich, zumindest an diesem einen Tag, so an.

 

Auch in der Kathedrale finde ich Jeanne sofort. Ich zünde eine Kerze für sie an, während mich mein Vater beim Beten fotografiert (Vielen dank für diese lächerliche Aufnahme meines verschwitzten Rückens!) Jedes Fenster der Kathedrale zeigt die Geschichte der Jeanne d’Arc, jeden Abschnitt. So etwas wunder Schönes!!
Noch verzauberte verlasse ich die Kathedrale, auch sie soll mich nicht das letzte mal gesehen haben!

 

 

Wir fotografieren noch die zwei Jeanneblöcke links und rechts vor dem Eingang.
Nun gehen wir weiter, dort ist ein wohlhabendes Haus, für Jeanne d’Arc.

Nur wenige Gehminuten westlich befindet sich das Musée des Beaux-Arts in einem neoklassizistischen Bau. Es ist besonders stolz auf seine Sammlung französischer Malerei  vom 16.-18. Jahrhundert mit Arbeiten von Francois Boucher und einem der wenigen Gemälde von Georges de la Tour, dem „Maler des Kerzenlichts“.

 

 

Noch vor dem Haus, eine Anbetungswürdige Statur der Jeanne d’Arc, erschaffen von der Marie von Orléans. Was mich allerdings sehr erschrickt ist, eine große Delle an der rechten Seite ihres Kopfes und eine Art Einschusslöcher überall auf ihr verteilt.

Links und Rechts  führen Treppen bis hinter ihrem Rücken und dahinter noch einmal hoch zu dem Haus.
Ein paar dutzend Fotos gemacht und wir gingen hinein. Es war wie oben beschrieben, sehr Edel und unglaublich eingerichtet an Gemälden. Während wir uns im Haus aufhalten regnete es, als es aufhörte und wir wieder hinausgingen kamen wir (logischer Weise) zum Abstieg hinter dem Rücken der Jeanne d’Arc. Man stand direkt hinter ihr, und ich streichte mit einer Hand über ihren beregneten, kalten Rücken.
Es hatte irgendeinen Zauber, es war feucht und hart, aber es fühlte sich irgendwie schön an, als würde ich DER Jeanne über ihre kalte Rüstung streichen. Ich fühlte mich einen Moment lang wie ein kleines Mädchen, das sich nach dem ersten Händedruck ihres Schwarms schwört nie wieder die Hände zu waschen (keine angst, ich hab’s dennoch getan ;))

 

Hier und da finden wir noch Passagen und Souvenirläden und immer wieder werde ich ironisch lächelnd mit 2 Tüten Jeanne d’Arc kram verabschiedet. Ja! Ich fühl mich Klasse!!!
Und immer noch habe ich nichts gegessen, ich kann einfach nicht.

 

Ich trage während meiner Zeit in der Stadt der Jungfrau nur weiß. Alles weiß. Als zeichen meiner Reinheit und aus Respekt gegenüber Jeannes Reinheit. Ich habe meinen Vater verboten Alkohol zu trinken, ich wünschte er würde noch aufhören so fürchterlich zu fluchen!

 

Die Zeit vergeht ziemlich schnell, Als es dunkel ist, esse ich wieder, KANN ich erst wieder essen, besser gesagt, ohne gleich würgen zu müssen. Es ist ein nicht eingeplantes Fasten!

 

Der Tag geht zu Ende, wieder im Hotel nehme ich ein heißes Bad, um meine Muskeln zu entspannen. Dann geh ich schlafen, aber ich fühle mich irgendwie unwohl. Orléans ist wundervoll, ich fühle mich so gut hier. Und nach 3 Tagen muss ich wieder fort?! Wieder weiter in die nächste französische Stadt? Nach Frankreich geht es noch nach Köln , ich sollte mich über die nächste Woche freuen, weil ich viele sehe (wenn auch unter Druck und Stress) , Dieses Gefühl passt einfach nicht. Es ist eine Art Mix aus Heimweh und Angst, ich bin ganz allein im Zimmer. Mir ist schwindelig und ich hab mich heute zu sehr durch die Stadt gehetzt, zu wenig gegessen, und mir ist übel.
Wie soll ich denn bitte schlafen!? Ich zittere und bekomme schon fast Panik vor mir selbst.
Aber irgendwie denke ich an Jeanne, wie tapfer war SIE als sie von Zuhause fortging?!
Für Sie, möchte ich auch tapfer sein, ich leg die Beine hoch um meinen angeknacksten Kreislauf in Ordnung zu bringen und versuche zu schlafen.

 

Nachts bin ich des Öfteren aufgewacht, ich hatte einen seltsamen Traum der mit jedem erneuten Einschlaf weiterging.

 

In meinem Traum, las ich ein Buch, ich sah nur die Seiten eines Buches. Als ich die Wörte las, las ich von Jeanne wie sie mit St. Michael sprach. Jeanne sagte dort zu ihm, dass alles Wunderschön wäre, Alles um sie herum, und deshalb würde sie viel malen (???) Sie sagte „Jeder Mensch gibt seiner Welt eine Atmosphäre, und gerade Kinder, denn diese sind voller Leben! Ich habe sicher schon 1 Millionen Landschaften mit Kindern und meinen Freundinnen gemalt!“ Sie lächelte, und St. Michael antwortete „Du hast wohl recht. Aber 1 Million Bilder?! Es waren bisher doch nur 179! Bleibe Wahr und realistisch!“.
Und mit den Worten erwachte ich wieder. Ich habe am nächsten Morgen noch viel darüber nachgedacht. Dass ich von Jeanne träume ist mir nichts neues, das tue ich so gut wie jede Nacht, aber diesmal war irgendetwas anders, es war, als hätte ich in diesem Buch für Jeanne gesprochen. Habe ich mit St. Michael gesprochen?! Das mit dem Zeichnen passt wohl etwas besser zu mir als zu Jehanne.

Aber dieser Traum gab mir ein besonderes Gefühl, ich dachte mir, wenn ich mir Fische, Bäume, Meere und die ganze Schönheit unserer Welt sehe und auch erkenne, erkenne ich darin Gott. Das alles ist Gott, in jeder Blüte, denen der Mensch irgendwie zuwenig Beachtung schenkt. Jedes Blatt ist eine Welt für sich, ich glaube, wir suchen Gott im falschen Universum.

Und worin steckt Jehanne?! Die steckt hier, ganz tief in meinem Herzen, ganz tief drinnen, und da wird sie bleiben solange ich lebe. Und mit diesem Gedanken schlafe ich ein…

 

 

 

Reisetagebuch 2
ORLÉANS

 

Tag 2

 

Man soll den Tag nicht vor den Abend loben!

 

Es ist 9.15 Uhr morgens, eigentlich wollte ich zur Messe der kleinen Jeanne-Kirche, aber mein Vater hatte mich (wie es typisch für ihn ist) zu Spät geweckt. Also was soll’s – Wir frühstücken und marschieren auch gleich weiter, Heute wird wieder viel rumgedüst, und Heute, habe ich wirklich viel vor!!

 

Erstmal laufen wir runter zur Loire, sie ist so wundervoll, ich fühl mich wohl in ihrer Nähe. Es hat an ihrem Ufer eine ganz angenehme, typisch französische Atmosphäre. Wir gehen über eine der Brücken, die zur anderen Seite führen, und vor der wir dachten, dass die Stadt dort weitergeht, so eine Art „Teil 2“.  Aber dort ist nichts, Außer einer kleinen Kirche, in der ich Jeanne schon drin sehe bevor ich überhaupt davor stehe, weil die Kirche Glastüren hat. ;)

 

 

Und jetzt kam der Augenblick, über den ich schon die ganze Zeit ganz hysterisch kicher, wenn ich darüber nachdenke.
Ich habe daheim ein duzend Jeanne Portraits gezeichnet, mehrfach Kopiert, und diese verteile ich jetzt rundherum Jeannes großen (und bis jetzt etwas leeren) Altar.

Darüber kommt noch eine gelbe Blume, und klein Jenny freut sich wie ein kleines Mädchen, ohne Ende… das  wird allerdings noch schlimmer.

 

Nach 10 Kilometer VIEL zu weit Südlich irrigen Verlaufen, finden wir zurück zur Hauptstadt, und als wir endlich wieder auf menschliche Kultur stoßen kaufen wir gleich ein paar Sträuße weiße Lilien, und mit den übergroßen Sträußen, laufe ich jetzt alle Kirchen ab, in denen Jeanne war (das heißt alle…).
Ich lege die weißen Lilien vor dem Altar, zusammen mit ein paar Bildern, bete etwas vor mich hin und kriege allmählich mit wie die Leute mit großen Augen und belächeln meine Besessenheit mitverfolgen.

Die Frauen hörten sich im Tonfall ungefähr so an, als wenn das Kind die ersten Gehversuche machte.

Nun haben diese leergefegten Altare von Jehanne ENDLICH mal Blumen!!! (Das heißt, endlich mal Blumen, wenn sie auch gerade nicht hoch gefeiert wird…) Und weil man der Kathedrale (ich find es ja schon wieder fast Sarkastisch) aussuchen kann, ob man eine teurere aber dafür unglaublich Schöne Kerze, oder eine günstige d.h. cent-großes Teelicht anzünden will, rümpf ich mal ganz heftig Nase und pack mir die Teuerste(Nagut, 5 Euro…)!

 

Gefallen sie dir Jeanne?! Schneeweiße Lilien…

 

 

Bei meinen Bildern sollte ich wohl nicht so verschwenderisch sein, ich möchte damit in Reims ja auch noch um mich werfen!

 

Die Kirchen und die Kathedrale in Orléans sind unglaublich! Nie zuvor habe ich derart schöne Gebäude gesehen! Es ist wie ein Eintritt in eine andere Zeit, wenn man sich nur einmal diese unsagbar aufwendig gestalteten Kirchenfenster ansieht.
Und jedes Fenster war nicht gerade Geizig mit Details! Jedes, erzählt eine Geschichte,

und das in einigen Kirchen so aufwendig, dass ich glaube, würde man alle Fenster übereinander legen, hätten sie das Zeug zum Daumenkino!

 

Aber auch wenn ich nicht gerade mit lang und hart ersparten Geld um mich werfe, habe ich in diesen Tagen ganz besondere Glücksgefühle. Es ist, als fühlte ich Jeannes Anwesenheit als wolle sie mich willkommen heißen. So ein geiles Gefühl, ja ja, ich finde sogar Geld auf der Straße ;)

Irgendwie ist sogar der Wind ganz besonders, wie Seide, streichelnd, frisch, aber keinen Grad zu kalt. Eben perfekt!

 

Ich liebe Jehanne, mit jedem Herzschlag mehr, mit jedem Atemzug intensiver.
Sie gibt und gab mir soviel, so wundervoll. O Herr, sag ihr, wie ich sie liebe, dass ich sie brauche und nie vergessen werde, aber sag ihr vielleicht nicht, dass ich hier stehe und heule…

 

Und ich wusste an diesem Morgen tatsächlich nicht, ob ich jetzt weinen oder lachen sollte. Aber für Jeanne, wollte ich lachen!

 

Jetzt gehen wir noch zum Haus der Jeanne d’Arc das „La Maison de Jeanne d’Arc“ bei ‚Place de Gaulle’.

Der Schatzmeister des Herzogs von Orléans, Jaques Boucher, beherbergte Jeanne d’Arc vom 29.April bis zum 9.Mai 1429 in seinem Haus. Das im zweiten Weltkrieg zerstörte Fachwerkhaus wurde historisch getreu wieder aufgebaut und nach dem berühmten Gast benannt. In einem ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen kleinen Museum führt ein Modell der Belagerung von Orléans die Schrecken des 100jährigen Krieges  vor Augen. Eine Stimme von Band erzählt – leider nur in französisch – Jeannes Geschichte.

Allerdings war das Band wohl defekt als ich kam, denn eine nette Dame musste um jeden Glaskasten herum laufen und dazu Vorträge halten.
Aber zurück zum Anfang,
Gleich beim Eingang, habe ich mich für 50¤ Zugedonnert mit allmöglichen Kram, die 2 Frauen des Hauses waren so erstaunt (oder mehr positiv entsetzt) von mir, dass ich den Eintritt frei bekam *hehe*! Also bekam nur mein Vater, eine dieser hübschen, Knallpinken ENTRÉE – Kärtchen!

Mir wurden zudem noch 3 Poster geschenkt.

Alle Gebäude der Stadt haben nun Geld, Bilder und einen Hörschaden von mir. Ich hoffe ich bleibe für’s erste in Erinnerung.

 

Kalt aber Berührbar oder Warm und nur tief Spürbar?!


Ich fühle mich undankbar. Was würden die, die Jeanne ‚ganz gerne mögen’ aus meiner MSN-Liste nicht dafür geben, nur ein einziges mal zu sehen, was ich gestern und heute sahen,
Und ich sitze mit meinem Vater in einem französischen Laden und ‚langweile’ mich mittlerweile. Ich habe die 2 Tage mit so vielen Leuten gesprochen, ich habe wirklich viel gelernt und noch mehr gesehen.

Aber jetzt haben wir mittlerweile gar nichts mehr zutun?! Ich bin nicht mal alles Geld losgeworden.

Meine Beine und mein Rücken bringen mich fast um, aber in unserem langen Marsch, wollte ich keine Pause machen. Es war als würden mich alle Gebäude in denen Jeanne zu sehen war, förmlich rufen.

Ich war noch nie dort, und obwohl ich den Stadtplan nicht einmal geöffnet habe, wusste ich seltsamer weise wo alles ist, ohne mich großartig zu verlaufen (eigentlich überhaupt nicht, außer das eine mal…)

Aber ich biss mir gewaltig auf die Zunge was meine Rückenschmerzen anging, schließlich waren Jeannes Reisen auch kein Spaziergang. Das lange Reiten hat ihr ziemliche Verletzungen im Unterleib bereitet, und das wird sicher erheblich mehr geschmerzt haben als mein Rücken.

 

So und JETZT kannst du den Tag bewerten!

 

Meine gute Laune nahm schlagartig ein Ende als ich ein ganz besonderes Hotel fand. Ein Hotel, gleich einem Museum, ALLES darin ist von Jeanne d’Arc, Figuren, Plakate und Statuen von denen ich dachte, dass nur Kirchen sie hätten. Warum in Gottes Namen haben wir denn nicht DA gebucht?!?! Die Leute im Hotel erschrecken ziemlich, als sie mich am untersten Fensterrand entdecken, wie ich mit Plattgedrückter Nase und großen, feuchten Augen in die Lobby starre. Die Leute die dort einchecken halten mir schadenfroh ihre Zimmerschlüssel vor die Nase, deren Zimmer sicherlich auch Alle im Jeanne-style sein werden. So schöne Bilder waren dort, und Figuren, dagegen sahen meine Souvenirs nach nichts aus. Und ZACK hatte ich bei dem Gedanken noch zusätzlich ein schlechtes Gewissen und fühlte mich wieder undankbar. Also greife ich mich an mein Jeanne d’Arc Kettchen im Herzformat und bin einfach nur neidisch!!!
O Gott, wie ich sie beneide, sicher wissen diese unrasierten Leute gar nicht zu schätzen, wo sie da sind. Fluchen am selben Abend noch über die Figuren auf ihren Nachtschränkchen, die bei einer falschen Bewegung umkippen. Oh was bin ich Eifersüchtig!!
Erst gehen wir weiter,
Aber 2 Meter später drehe ich mich um ziehe meinen genervten Vater zurück zum Hotel. Ich WILL jetzt sofort IN dieses HOTEL!
Nach ein paar Minuten das Innenleben anstarren, lasse ich mir verlegen einen Prospekt des Hotels geben, damit wir nächstes Jahr dort buchen können. Nächstes Jahr, wenn das Jeanne d’Arc Festival stattfindet, werde ich da sein! O ja !

Ich werde bis dahin wieder hart sparen!

 

Ich bin ziemlich schlecht drauf, viele sehenswürdige Bauten habe ich erst heute entdeckt, und jetzt, heute Abend, an einem Samstag, haben diese nicht mehr auf! Schade…

 

Und Jetzt, liege ich grummelnd in meinem Bett, schreibe, lese und werde hoffentlich schnell einschlafen.
Morgen in der Früh geh es auf nach Reims !!